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27.06.2016

Nachgefragt: Was kommt nach dem Brexit?

Was für viele als undenkbar galt, ist geschehen: Die Briten haben sich für einen Ausstieg aus der Europäischen Union ausgesprochen. Die Entscheidung hat weitreichende Konsequenzen – nicht nur für die Briten, sondern für ganz Europa. „Auch für die Hochschulen stellt der Brexit einen tiefen Einschnitt dar“, erklärt der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Prof. Dr. Horst Hippler, dazu in einer Pressemitteilung (HRK PM Brexit 2406201). „Die Konsequenzen treffen die britischen Hochschulen schwer und mit ihnen den gesamten europäischen Hochschul- und Forschungsraum. Wir müssen uns auf eine schwierige Übergangszeit einstellen. Denn es stehen nun umfangreiche Verhandlungen über die Konditionen für die Einbeziehung des Vereinigten Königreichs in europäische Förder- und Austauschprogramme an. Gerade auch für die deutschen Hochschulen und die Hochschulrektorenkonferenz markiert der Brexit eine schmerzhafte Zäsur.“

„WortMelder“ hat an der Universität Erfurt nachgefragt: „Was bedeutet der Brexit für Sie als Wissenschaftler und auch persönlich?“

Hermann-Josef Blanke (Professor für Öffentliches Recht, Völkerrecht und Europäische Integration an der Staatswissenschaftlichen Fakultät): „Nur vier Tage nach der Abstimmung ist es auch im Bereich der Hochschulen verfrüht, über die Folgen des britischen Referendums über einen Brexit zu spekulieren. Art. 50 des Vertrages über die Europäische Union (2009) sagt insoweit: ‚Auf der Grundlage der Leitlinien des Europäischen Rates handelt die Union mit diesem Staat [der auszutreten beschließt] ein Abkommen über die Einzelheiten des Austritts aus und schließt das Abkommen, wobei der Rahmen für die künftigen Beziehungen dieses Staates zur Union berücksichtigt wird.‘ Zunächst einmal muss das Vereinigte Königreich den Austritt erklären, wofür es einer vorherigen Abstimmung im britischen Parlament bedarf, da das Referendum nach britischem Verfassungsrecht nicht bindend ist. In den anschließenden Verhandlungen über das in Art. 50 EUV vorgesehene Abkommen sollte die Europäische Union berücksichtigen, dass fast drei Viertel der unter 25-jährigen Briten, die – leider nur ungenügend mobilisiert – an dem Referendum teilgenommen haben, sich für einen Verbleib in der Union ausgesprochen haben. Sie wissen um die Vorteile der Unionsbürgerschaft und der Freizügigkeit – gerade auch im Bildungsbereich. Denen, die im Vereinigten Königreich und in der Union Verantwortung tragen, ist daher Augenmaß zu empfehlen. Die europäischen Hochschulen und ihre Vertretungen sollten sich an ein bewährtes britisches Motto halten, das jenseits des Kanals in den Emotionen der letzten Monaten oftmals vergessen wurde: Keep Calm and Carry On!“

Dr. Dr. Dietmar Görgmaier (Lehrbeauftragter an der Staatswissenschaftlichen Fakultät): „TV-SkyData ermittelte nach dem Referendum eine Wahlbeteiligung von über 83 Prozent bei den über 65-Jährigen als beinahe geschlossene Gruppe der Gegner und nur 36 Prozent bei den 18-24-Jährigen, also ein Brexit-Entscheid gegen die Jugend, die fast vollständig für den Verbleib in der EU votiert hatte. Als späteres Nichtmitglied der EU kann das United Kingdom wie z.B. die Schweiz im EU-HORIZON-Programm für F+E und im ERASMUS-Programm mitwirken, was für die Vernetzung des Kontinents mit den britischen Hochschulen und die Zukunft der Jugend sehr wichtig ist. Ein Hoffnungsschimmer für die EU wäre ferner ein Referendum in Schottland mit der Chance 28. Mitglied in der EU zu werden, verbunden mit der Möglichkeit einer weiteren Integration Europas.“

Quelle: Universität Erfurt (https://aktuell.uni-erfurt.de/2016/06/27/was-der-brexit-fuer-die-wissenschaft-in-deutschland-bedeutet/)



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